Montag, 7. März 2016

Frauen und der Datenschutz

Der 8. März ist Weltfrauentag.

Rena Tangens hat letztes Wochenende den Bielelder Frauenpreis für ihren unermütlichen Einsatz gegen Datenkriminalität verliehen bekommen.

Wir schreiben das Jahr 2016 ...

Auch heute wieder musste ich einer Firma erklären, dass sie die Rechnungsadressen ihrer Kunden nicht dazu nutzen dürfen, den Kunden unerlaubt Werbepost in Form von Flyern und Katalogen ins Haus zu schicken. Freundlich darüber aufklären, dass das Datenmissbrauch ist, dass die Daten lediglich und ausschließlich zur Erstellung der Rechnung erhoben wurden und daher nicht zu Werbezwecken zweckentfremdet werden dürfen. Darüber aufklären, dass es kein Kavaliersdelikt ist, sondern Geldbußen von bis zu 300-Tausend Euro zur Folge hat.

Ich habe unmissverständlich darauf hinweisen müssen, dass ich vor einer Anzeige nicht zurückschrecke, wenn nicht unverzüglich damit aufgehört wird, mir Werbepost zu schicken.

Firmen, denen der Datenschutz egal ist. Firmen, die immer noch nicht verstanden haben, dass Datenschutz / Schutz der Privatsphäre grundlegendes Menschenrecht ist.

Meine Erfahrung aus dem vergangenen Jahr ist, dass vor allem Firmen mit überwiegend weiblicher Kundschaft die Unwissenheit der Kunden ausnutzen und ihre Kundendaten nicht richtig schützen. Firmen, die sogar soweit gehen, ihre Kunden (Subunternehmer) zu Datenschutzverstößen anzustiften.

Frei nach dem Motto: "Datenschutz interessiert doch keinen. Wir machen einfach. Wird schon gutgehen." Oder auch: "Wenn wir das nicht machen, ist das ja unser wirtschaftlicher bankrott".

Leider scheuen viele Frauen die Anzeige. Egal ob bei Vergewaltigung oder dem Missbrauch ihrer Telefonnummer. Meine persönliche Erfahrung ist, dass Männer viel eher Anwälte einschalten, auf ihr Recht bestehen, Anzeigen aufgeben, als Frauen.

Frauen wollen keinem Schaden. "Och, der arme Händler weiss es ja nicht besser. Wenn ich den jetzt anzeige, dann bekommt er ja ärger. Der ist doch eigentlich ganz lieb." Natürlich bekommt der Händler Ärger. Und natürlich ist der Händler nicht lieb. Wäre er lieb, würde er sich an geltendes Recht halten. Wäre es ein guter Händler, würde er die Gesetze kennen.

Frauen lassen sich auch viel leichter austricksen, wenn es um die Erschleichung von Daten geht. Eine Unterschrift für den guten Zweck, zu Gunsten von Tieren oder Kindern. Immer wieder gern genommen. Frauen fragen nicht genauer nach, wer hinter der Unterschriftenaktion steckt und was mit den Unterschriften passiert. Gewinnspiele. Dass sie damit ihre Seele verkaufen, wollen viele Frauen nicht sehen. Sie lassen sich von den Gewinnen blenden.

Noch immer werden Frauen in Firmen ausgenutzt. In vielen Branchen wird bei überwiegend weiblichen Vertrieblern noch immer Umsatzzahlen ohne Einverständnis der gesamten Belegschaft ggü. öffentlich gemacht. Noch immer werden Frauen vor gesamter Versammlung wegen zu schlechter Umsätze diskriminiert.

Mit uns Frauen kann man das ja machen. Leider können uns da auch die Männer nicht helfen. Es gibt immer wieder Männer, die hier helfen und es anzeigen wollen bzw. anzeigen. Aber sie sind nicht Betroffen. Die Behörden reagieren nur, wenn die Betroffenen selbst es anzeigen.

Frauen sind Datenschutzverstößen weit häufiger ausgesetzt als Männer. Das fängt mit irgendwelchen ungefragten Telefonnummerweitergaben in Schulen und Kindergärten an. Sie ist der Buhmann, der Nestbeschmutzer, wenn sie sich weigert oder mal Veto einlegt.

Viele Frauen berichteten mir, dass sie in ihrem Job nie eine Datenschutzbelehrung bekommen haben. Nie auf Datenschutz sensibilisiert wurden. Frauen aus Krankenhäuser. Gesundheitsdaten unterliegen dabei noch dem besonderen Schutz. Frauen in Kindergärten, in Schulen, in sozialen Einrichtungen. Frauen aus dem Vertrieb ... ok, bei Vertrieblern gibt es auch viele Männer, denen der Datenschutz völlig egal ist, solange die Umsatzzahlen stimmen.

Wie sollen Frauen, Mütter, Lehrerinnen, Erzieherinnen die Kinder auf Datenschutz senisbilisieren, wenn es nach wie vor versäumt wird, die Frauen selbst zu sensibilisieren?

Nach wie vor werden viele Frauen in Deutschland für dumm verkauft und dumm gehalten.
Wir schreiben 2016!

Meine Erfahrung ist, dass viele amerikanische und auch russische Frauen mehr Feingefühl für Datenschutz haben als deutsche Frauen.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen