Dienstag, 27. Juni 2017

Warum schriftliches Einverständnis bei WhatsApp?

Die Kindesmutter wird verpflichtet, von allen Personen, welche aktuell im Adressbuch des Smartphones ihres Sohnes E. gespeichert sind, schriftliche Zustimmungserklärungen dahingehend einzuholen, ob diese Personen damit einverstanden sind, dass E. in dem Adressbuch seines Smartphones die Telefonnummer(n) und den Namen - wenn ja, in welcher Form (Pseudonym, Kürzel oder aber Vor- oder/und Nachname als Klardatum) - der jeweiligen Person speichert und dass die Daten von dort dann regelmäßig über die von E. gleichzeitig genutzte Applikation "WhatsApp" an den Betreiber WhatsApp Inc. in Kalifornien/USA übertragen / hochgeladen werden, wo diese Daten zu vielfältigen Zwecken des Betreibers laut dessen Nutzungsbedingungen frei weiter verwendet werden können.
So steht es in dem Urteil eines hessischen Gerichtes

Während Datenschützer da Urteil begrüßen, war die Empörung in einigen anderen Gruppen enorm.

Jeder, der bei WhatsApp eine Gruppe eröffnet, ist verpflichtet, sich vorher die schriftliche Genehmigung aller zu holen, die zur Gruppe zugefügt werden.

Warum ist das so? Und warum bei WhatsApp und nicht bei anderen Diensten?

Die Antwort ist einfach:

In Gruppenchats kann jeder, der zur Gruppe gehört, die Telefonnummer des anderen einsehen und nutzen.

"Das ist doch nicht schlimm." Wird jetzt der eine oder andere denken ... wirklich nicht?

Beispiele:
Meine Erfahrung mit Tupperware-Beraterinnen ist, dass einige alle ihre Kundinnen in eine WhatsApp-Gruppe packen, um sie so mit den neusten Produktinformationen zu versorgen.


Das bedeutet, jede Kundin erhält die privaten Telefonnummern aller anderen Kundinnen. Egal ob die Kundin das möchte oder nicht. Die meisten speichern bei WhatsApp zu ihrer Telefonnummer auch noch ihren amtlichen Namen, so dass jede Kundin nicht nur die Telefonnummern sondern auch die Namen erhält.

Die Lehrerin oder Kindergärtnerin erstellt eine WhatApp-Gruppe für alle Eltern.
Auf diese Weise erhalten alle Eltern die Telefonnummern aller anderen Eltern. Egal ob das die Eltern wünschen oder nicht.


Das ist Fremdbestimmung. Hier bestimmt ein Dritter, was mit meiner Telefonnummer passiert. Hier gibt eine Person, der ich vertrauensvoll meine Nummer verraten habe, die Nummer einfach ohne mein Einverständnis an Dritte weiter.

Im Datenschutz geht es um Selbstbestimmung: Ich entscheide, an wen Du meine Telefonnummer weitergeben darfst und an wen nicht. Du brauchst dafür in diesem Fall meine schriftliches Einverständnis.

Für den WhatsApp-Gruppen-Verantwortlichen ist es aber noch nicht damit getan, die Einverständniserklärung aller schriftlich einzuholen.

Jeder hat das Recht, jederzeit mit sofortiger Wirkung seinem Einverständnis zu widersprechen. Das bedeutet, der Gruppenverantwortliche hat die Person bei Widerspruch unverzüglich aus der Gruppe zu entfernen und er hat dafür Sorge zu tragen, dass alle anderen, die die Telefonnummer des Betroffenen nur über die Gruppe bekommen haben, diese unverzüglich aus ihren Telefonspeichern löschen und vergessen.

Das ist natürlich alles nicht so einfach. Wer sich nicht an die Gesetze hält, dem drohen derzeit noch bis 50 Tausend bzw. 300 Tausend Euro Bußgeld und je nach ausgelöster Gefahr Freiheitsstrafen. Ab Mai 2018 wird es richtig teuer. Dann sind die Strafen im Millionenbereich und es wird keine Rücksicht mehr auf Existenzverlust genommen.

Welche Alternativen gibt es?

WhatsApp hat zwar derzeit die beste Verschlüsselung, aber durch die Echtdatenweiterleitung bei Gruppen ist es sehr bedenklich.

Für Gruppenchats besser geeignet ist Telegram. Das hat auch noch den Vorteil, dass es Multi-Geräte-tauglich ist. Dass heisst, ich kann die Chats sowohl auf dem Handy, als auch auf dem Tablet und meinem Laptop verfolgen. Je nachdem, welches Gerät gerade in der Nähe ist.



1 Kommentar:

  1. Auch unabhängig vom Datenschutzbestimmungen sollte *jede* Plattform dies für alle Gruppen vorschreiben. Jemanden ungefragt einer Gruppe hinzuzufügen ist schlicht unhöflich und belästigend.

    Jörg Starkmuth

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